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21.06.2017

Endoskopische Geräte im Visier krimineller Banden

Diebstahlwelle weitet sich aus – Ein Update


Schon mehrfach haben wir über den Diebstahl endoskopischer Geräte aus Krankenhäusern berichtet. Leider gibt es Anlass für ein Update: Allein zwischen 14. Mai und 7. Juni 2017 sind uns acht neue Diebstähle bekannt geworden. Wieder wurden die Endoskope am Wochenende oder in der Nacht gestohlen. Der geschätzte Schaden liegt bei ca. 2,4 Mio. Euro. Diese Summe beziffert nur den Wert der medizinischen Geräte, nicht den wirtschaftlichen Schaden durch den Ausfall von Untersuchungen.

Die Täter, die der organisierten Kriminalität zuzuordnen sind, gehen inzwischen noch professioneller vor. Wie unsere Datenauswertung zeigt, gibt es kaum noch regionale Grenzen. Im genannten Zeitraum waren von den Diebstählen, die nahezu zeitgleich stattfanden, sechs Bundesländer betroffen.

Europäische Dimension

Nachdem die Polizei 2015 in Frankfurt/ Main eine Bande Südamerikaner fassen konnte, die ihre Beute fest verschnürt und bereit zum Versand bei sich führten, weisen die weiteren Ermittlungen in eine klare Richtung: Bei der Diebstahlwelle handelt es sich ganz offensichtlich um Auftragsdelikte aus Südamerika. Die Auftraggeber sind gut informiert, da die Bandenmitglieder, getarnt als Touristen, in bestimmte europäische Länder reisen und dort gezielt Krankhäuser ausspionieren. Im passenden Moment schlagen die Täter dann zu.

Von den Straftaten betroffen sind mindestens elf europäische Länder. Aufhorchen ließen zuletzt Nachrichten aus Griechenland. Die griechische Polizei berichtet, dass Verdächtige in Kolumbien mit mindestens vier Diebstählen in Verbindung gebracht werden. Etwa ein Drittel der gestohlenen Endoskope wurde in Kolumbien aufgefunden.

Am 14. Juni 2017 zeigte das ZDF-Magazin „Aktenzeichen XY… ungelöst“ Bilder von drei mutmaßlichen Tätern aus der Videoüberwachung. Die Polizei hofft SONDERINFORMATION nun, dass die relativ gut zu erkennenden Männer mit Hilfe des Publikums dingfest gemacht werden können.

Welche Schutzmaßnahmen gibt

  • Gefährdete Bereiche mit hoher Geräte- Werthaltigkeit, in denen sich nachts und an Wochenenden kein Personal befindet, sind zu identifizieren.
  • Die Gefährdungslage sollte mit dem Personal offen kommuniziert werden. Wenn ein Mitarbeitender eine fremde Person auf dem Flur anspricht, kann dies bereits eine Straftat verhindern. Bei Verdacht sollten Polizei und Wachdienst hinzugezogen werden.
  • Öffentliche Veranstaltungen erfordern eine erhöhte Sensibilität der Verantwortlichen / des Personals. Die Täter nutzen sie zur Erkundung favorisierter Bereiche.
  • Videotechnik im Haupteingangs- und Ausgangsbereich sowie an Ausfahrten und auf Fluren kann (unter Einhaltung von Daten- und Mitarbeiterschutz) entscheidende Hinweise für die Strafverfolgung liefern.
  • Kamera-Dummys haben eine nicht zu unterschätzende Abschreckungs- Wirkung.
  • Außenbereiche sollten durch automatische Beleuchtungen und mit Bewegungsmeldern an den Türen gesichert werden.
  • Die sicherste Präventionsmaßnahme ist, nach wie vor, die Installation einer Einbruchmeldeanlage. Einbau und die Anlage selbst sollten vom Verband der Schadenversicherer (VdS) anerkannt sein. (RB)

Krankenhäuser sind aus gutem Grund offene Häuser. Umso mehr ist Prävention das Gebot der Stunde. 

 

Bilanz der Fälle seit Februar 2014:
BundeslandAnzahl VorfälleGeschätzter Sachschaden
Baden-Württemberg2300.000,00 €
Bayern494.930,00 €
Berlin51.415.540,13 €
Hamburg3747.114,22 €
Hessen61.227.101,04 €
Niedersachsen62.700.020,10 €
NRW256.700.182,60 €
Rheinland-Pfalz4929.000,00 €
Sachsen7783.221,10 €
Sachsen-Anhalt3646.950,00 €
Thüringen1385.834,94 €
Gesamtergebnis
66
15.929.894,13 €